Das offene Konzept
Auf die offene Arbeit im Kindergarten sind wir bereits 1995 gestoßen, weil wir nach Antworten auf den Umgang mit Veränderungen suchten. Die Erziehung der Kinder ändert sich im Laufe der Zeit mit den äußeren Begebenheiten. Heute stellt sich den Kindern eine ganz andere Lebenswelt als etwa vor zehn, zwanzig oder gar dreißig Jahren dar. Der damit verbundene Wandel in der Gesellschaft ist sehr vielschichtig. Es gibt viel mehr Medien, mit denen der Mensch Kontakt hat und bereits ab der Geburt konfrontiert wird. Auch die Situation am Arbeitsplatz hat sich geändert, die Familienstrukturen ebenso und mit ihnen auch die Mobilität.
Dies alles bringt mit sich, dass neue Kompetenzen erworben werden müssen. Ein lebenslanges Lernen und Flexibilität sind notwendig geworden. Dadurch stellen sich uns folgende Fragen:
- Wie legen wir die Grundlagen für lebenslanges Lernen?
- Welche Bedingungen und Fähigkeiten braucht der Mensch, um lernen zu können?
Unsere Antwort lautet: Offene Arbeit. Den Begriff „offen“ möchten wir dabei deutlich vom freien, laissez-fairen Erziehungsstil abgrenzen. Denn offene Arbeit ist nicht beliebig. Es handelt sich um einen ressourcenorientierten Ansatz.
Die Kinder können sich im ganzen Haus frei bewegen und haben so die Möglichkeit, entsprechend ihrer eigenen Interessen, die Funktionsräume aufzusuchen. In den Räumen steht den Kindern ein vielfältiges Angebot an Materialien und viel Platz zur Verfügung. Dies ermöglicht es, dass sich zugleich mehrere Kinder mit einem Thema beschäftigen und die Kinder aus einer Vielzahl an Materialien wählen können. Die pädagogischen Fachkräfte sind die Begleiterinnen und Begleiter der Kinder, geben ihnen Hilfestellungen und setzen Impulse, um die Kinder an Neues heranzuführen.
Dabei nehmen wir die Interessen der Kinder wahr und setzen diese in den Funktionsräumen um. Hierdurch erreichen wir, dass die Kinder sich über verschiedene Wege einen Zugang zu einem Thema verschaffen und Fähigkeiten in den verschiedenen Bereichen erlangen.
Beispiel: Thema Brücken bauen
- Die Kinder bauen Brücken mit Klötzen im Bauzimmer.
- Wir greifen das Thema auf und verlegen es ins Bastelzimmer, in dem wir Skizzen und Zeichnungen von Brücken anfertigen, die wir nachbauen möchten. Wir bauen Brücken aus Papier und Pappe.
- Wir verlagern das Thema in den Bewegungsraum und bauen Brücken aus Holzlatten, die man sogar betreten kann.
„Erzähle mir und ich vergesse.
Zeige mir und ich erinnere mich.
Lass es mich tun und ich verstehe.“
(Konfuzius)